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MAULWÜRFE
Ein Stück für Spurenleger und Spurenleser
von
Klaus Fehling und THEATER 1000 HERTZ
„Vor
wem muss man nichts zu verbergen haben, um nichts befürchten
zu müssen?”
(C. in Maulwürfe)
mit
Heidrun Grote, Christina Vayhinger,
Anton Weber
Regie:
Christina Vayhinger
Licht: Katja Winke
Bühne: THEATER 1000 HERTZ, Anton Weber
Musikarrangements: Christina Vayhinger
Assistenz: Maren van Severen, Corinna Görtz
Spieldauer 70 min.
UA 22.07.2008, Orangerie Köln
Inhalt
In
der stillgelegten Lagerhalle der Firma „Datascore”
treffen drei Menschen aufeinander: C., die ihre Datenspuren
korrigieren will, weil sie aus eigener Erfahrung weiß,
welche Folgen es haben kann, in den falschen Statistiken aufzutauchen,
H., die vermutet, dass ihr Ehemann sie betrügt und ständig
neue Indizien dafür entdeckt und A., der Taschendieb,
der gerne Verwirrung stiftet, in dem er Spuren durcheinanderbringt
und Überwachungseinrichtungen zerstört. Jeder der
drei hat einen anderen Grund, zu dieser Zeit an diesem Ort
zu sein - aber sie haben mehr gemeinsam, als sie am Anfang
ahnen oder zugeben.
Pressestimmen
Spuren ohne Grenzen
VON OLIVER CECH
In der Orangerie ist noch bis Mitte September das Stück
"Maulwürfe" zu sehen. Das Drama von Klaus
Fehling und dem Theater 1000 Hertz zeigt eine Gesellschaft
unter Generalverdacht. Die Inszenierung ist unterhaltsames,
unprätentiöses Theater.
Eine verlassene Fabrikhalle im Kölner Süden. Bis
vor kurzem hat hier die Firma Datascore mit Wissen gehandelt:
Spuren von gläsernen Menschen gesammelt und verkauft.
Das Geschäft lief glänzend. Doch jetzt steht die
Halle leer. Datascore hat sich in Luft aufgelöst, übrig
geblieben sind bloß einige Wände aus Umzugskartons.
Was ist geschehen?
Die Pappwände fallen im Laufe von „Maulwürfe“,
geschrieben von Klaus Fehling und dem Theater 1000 Hertz
- sichtbar wird eine Gegenwart, in der die Grenzen von herkömmlicher
und manipulierter Realität verschwimmen. Das Stück
spiegelt die Diskussion um Datenprofile, um „Scores“.
Bei jedem Einkauf, jeder Überweisung und jeder Reise
hinterlassen wir Datenspuren, wird das Bild schärfer,
das sich andere von uns machen.
Aber sind wir das wirklich selbst, die da sichtbar werden?
Was passiert mit einer Gesellschaft unter Generalverdacht?
Haben wir wirklich nichts zu verbergen? Diese Frage wird
wirksam auf der Bühne aufgeworfen.
Drei Figuren treffen sich in der stillgelegten Lagerhalle
von Datascore: H. findet die Brieftasche ihres Ehemanns
und vermutet, dass er sie betrügt; C. korrigiert ihre
Datenspuren, weil sie weiß, welche Folgen es haben
kann, in den falschen Statistiken aufzutauchen; und A.,
ein anarchistischer Datendieb, stiftet Verwirrung, indem
er Spuren durcheinanderbringt und Überwachungseinrichtungen
zerstört.
Hinter den Buchstaben verbergen sich die Namen der Schauspieler
Heidrun Grote, Christina Vayhinger und Anton Weber. Sie
haben ihre Figuren selbst entworfen, und im jeweiligen Umgang
der Figuren mit Datenspuren spiegelt sich etwas von der
Persönlichkeit der Darsteller. Fehling hat sichtlich
Mühe, die auseinanderstrebenden Kräfte dramaturgisch
zusammenzuhalten, und auch die Inszenierung Vayhingers schwankt
zwischen übermütiger Burleske und finsterem Verschwörungsdrama.
Gerade dies macht aber die Vitalität des Abends aus.
Kein großer Wurf also - eher vier Würfe in vier
Richtungen -, aber unterhaltsames, unprätentiöses
Theater, das die Atmosphäre der Orangerie aufgreift
und sogar die dort herumstreunenden Mäuse zum Bühnenereignis
macht.
(Kölner Stadtanzeiger, 07/08)
Böses Spiel
mit Informationen
VON THOMAS LINDEN
Mit zielgerichteter Wut macht sich die Ehefrau auf die Suche
nach Indizien, die ihr den Seitensprung ihres Mannes beweisen
sollen. Kajalstift, Slip und Brieftasche hat sie schon aufgespürt,
die Beweislast scheint erdrückend. Ihre Suche führt
sie nicht zufällig in die Lagerhalle der Firma „Datascore”,
wo Informationen manipuliert werden - ist der Gatte vielleicht
gar nicht schuldig?
Klaus Fehling beschreibt in „Maulwürfe”,
wie das böse Spiel mit dem Wissen gespielt werden kann,
denn zur Information gehört ihr Wahrheitsgehalt. Doch
wer interessiert sich noch für die Wahrheit angesichts
der Flut von Informationen, die sowieso niemand recherchieren
kann? Nehmen wir nicht letztlich die Welt lieber so, wie
sie uns erscheint oder von anderen präsentiert wird.
Das weiß die von Christina Vayhinger gespielte Angestellte
von Datascore sehr gut, die ihrerseits manipuliert, um nicht
in den falschen Statistiken aufzutauchen. Damit das Spiel
mit den Identitäten so richtig in Schwung kommt, pfuscht
noch ein Taschendieb hinein, der sich famos auf Computerprogrammierung
versteht. Anton Weber spielt ihn in Christina Vayhingers
Inszenierung des THEATER 1000 HERTZ in der Orangerie. Als
amüsant gebautes Gedankenspiel richtet Christina Vayhinger
das Zusammentreffen der „Maulwürfe” an.
Heidrung Grote bildet das schauspielerische Rückgrat
mit der zürnenden Gattin. Anton Weber liefert den cleveren
Clown und Vayhinger selbst wechselt vom Detektiv bis zu
Wonder-Woman die Rollen durch alle populären Genres.
Als Lagerhalle für Kartons verwandelt sich die Orangerie
trefflich in ein Theaterlabor. Die Vorlage von Klaus Fehling
bietet interessante Ansätze, um mit der Information
jenes Phänomen zu thematisieren, das unsere Gegenwart
wie kein anderes zu bestimmen scheint.
Der Text wirkt allerdings hastig entwickelt, viele Dialoge
bleiben kryptisch und verwehen im Raum. Die Inszenierung
verleiht den Figuren zum Glück eine Präsenz, die
ihnen der Text nicht bietet. Eine Tatsache, die ins Gewicht
fällt, weil das Theater als Medium hier sichtlich an
jene Grenzen stößt, hinter denen das Fernsehen
regiert. Dort eröffnet sich eine Komplexität,
die das Stück nicht zu greifen vermag. Gleichwohl bietet
THEATER 1000 HERTZ wieder zu einem brennenden Thema eine
anregend intelligente Inszenierung.
(Kölnische
Rundschau, 07/08)
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